Die Büttenredner
Edgar Korn | Adele | Die Fuhsedeppen

Edgar Korn:
Im Frühherbst 1973 begann meine ganz persönliche Reise in die närrische Welt. Ein guter Freund schleppte mich damals kurzerhand zu einer Übungsstunde der Prinzengarde – und ehe ich mich versah, stand ich auch schon selbst mitten im karnevalistischen Geschehen. Mein allererster Auftritt? Der hatte es gleich in sich: Als Hund Wum in der „internationalen Hitparade“ durfte ich zu „Ich wünsch mir ’ne kleine Mietzekatze“ über die Bühne tollen. Ein närrischer Einstand, den man so schnell nicht vergisst!
Kurz darauf nahm mich Anita †, die Frau unseres damaligen Präsidenten Gerhard Witschorek †, unter ihre Fittiche und ermutigte mich, bei internen Veranstaltungen – wie der damals noch vereinsinternen Prinzenproklamation – erste närrische Vorträge zum Besten zu geben.
Und dann war es soweit: In der Kampagne 1975/1976 stand ich zum ersten Mal ganz allein, ziemlich aufgeregt und mit klopfendem Herzen in der Bütt.
In den Jahren danach war ich manchmal gleich in mehreren Rollen an einem Abend unterwegs – mit der Prinzengarde, als Büttenredner und zusätzlich noch mit dem Fanfarencorps. Närrisch war das allemal, aber auch ziemlich zeitintensiv. Also musste eine Entscheidung her – und die fiel schließlich für die Bütt.
Seitdem stand ich – mit Ausnahme eines Jahres, in dem ich als Soldat dem Staat dienen durfte – jedes Jahr aufs Neue aufgeregt auf der Bühne und erzählte meine Geschichten zu den unterschiedlichsten Themen. Zugegeben: Mit den Jahren wurde es nicht unbedingt leichter, die nächste Rede zu Papier zu bringen. Aber irgendwie hat es am Ende doch immer wieder geklappt. Der Spaß, den ich dabei habe – und hoffentlich auch unser Publikum – hat dabei stets kräftig mitgeholfen.
Und so wurde der erste Eintrag in meinem närrischen Protokollbuch zu meinem ganz persönlichen Motto:
„Wer sich den Humor ins Banner schreibt,
wer mit allem Ernst der Narretei dient,
wer noch aus freiem Herzen lachen kann,
der allein hat Hoffnung ewig jung zu bleiben.”
Also lasst uns gemeinsam dafür sorgen: Bleiben wir ewig jung – zumindest im Herzen!
Nach stolzen 50 Jahren in der Bütt habe ich schließlich in der 68. Kampagne meinen Abschied von der närrischen Rednerbühne genommen – natürlich nicht ohne ein letztes Augenzwinkern. 🎭😄
Adele alias Anke Vietze:
Der Weg auf die närrische Bühne begann bei mir – wie so vieles im Karneval – ein wenig überraschend und mit einer ordentlichen Portion Tochterüberzeugungskraft. Meine Tochter Jennifer war schon viele Jahre als Funkenmariechen beim SOS aktiv. Als sie selbst Gruppenleiterin wurde, nahm sie im September 2008 an einer Arbeitssitzung teil. Dort kam die Frage auf, ob sich noch jemand finden ließe, der bei der Prinzenproklamation einen Vortrag halten könnte.
Jennifer musste da nicht lange überlegen und rief praktisch sofort: „Meine Mama kann das!“ Schließlich hatte ich auf Familienfeiern schon häufiger bewiesen, dass ich auch ohne große Bühne für Unterhaltung sorgen kann – ganz nach dem Motto: „Meine Mama kann…“
Wenig später kam sie nach Hause und verkündete mir ganz selbstverständlich:
„Du trittst dieses Jahr bei der Prinzenproklamation auf!“
Meine erste Reaktion war natürlich eher ein zögerliches „Ähm… eigentlich nicht“. Doch Jennifer hatte da bereits ganze Arbeit geleistet und schon überall erzählt, dass ich auftreten würde. Also blieb mir irgendwann nur noch eins übrig: zusagen. Sie redete so lange auf mich ein, bis ich schließlich einwilligte.
Und was soll ich sagen? Es hat mir riesigen Spaß gemacht! So sehr sogar, dass ich im darauffolgenden Jahr gleich die ganze Kampagne mitgemacht habe. Der Erfolg gab meiner Tochter also recht – manchmal muss man eben zu seinem närrischen Glück ein bisschen geschubst werden.
Zum Glück fällt es mir bis heute noch recht leicht, Texte auswendig zu lernen, und an Ideen mangelt es mir ebenfalls nicht. Deshalb hoffe ich, dass ich noch viele Jahre im Karneval auftreten durfte – und vor allem, dass ich unserem Publikum immer wieder ein paar fröhliche Minuten, gute Laune und herzhaftes Lachen schenken konnte.
Denn eines sollte man im Sievershäuser Karneval niemals vergessen:
„Spaß und Stimmung für jedes Haus und jeden Stall,
das gibt’s nur im Sievershäuser Karneval!“
Nach vielen Jahren auf der Bühne fiel mir der Abschied nach der 68. Kampagne natürlich nicht leicht. Aber wie man so schön sagt: Man wird ja schließlich nicht jünger – auch wenn man sich im Karneval zumindest im Herzen immer ein Stückchen jung fühlen darf. 🎭😊
Die Fuhsedeppen alias Nico und Jörg Schwieger:
Der Ursprung der Fuhsedeppen reicht eigentlich schon ins Jahr 2007 zurück – und begann, wie so oft im Karneval, mit einer kleinen närrischen Idee. Im Jubiläumsjahr der SOS-Karnevalsgesellschaft (50 Jahre SOS) war Nico, der jüngere Part des späteren Duos, nämlich Kinderprinz. Sein Vater Jörg, damals noch der deutlich größere und auch gewichtigere Teil des Gespanns, schrieb seinem Sohn eine kleine Rede.
Diese trug Nico bei den Prunksitzungen so souverän und mit so viel Charme vor, dass das Publikum begeistert war. Auch seine Prinzenrede bei der Kindersitzung meisterte er mit Bravour – ganz so, als hätte er nie etwas anderes gemacht.
Der Spaß an der Sache war bei Nico danach so groß, dass er seinen Vater kurzerhand überredete: „Komm, Papa – wir gehen zusammen in die Bütt!“
Jörg, selbst erfahrener Karnevalist und ehemaliger Prinz, ließ sich natürlich nicht lange bitten. Und so war sie geboren – die närrische Zusammenarbeit von Vater und Sohn.
Ein passender Name war schnell gefunden: „Die Fuhsedeppen“. Jörg setzte sich an den Schreibtisch, schrieb die erste gemeinsame Rede, und in der Kampagne 2008/2009 war es dann soweit: Das Duo stand erstmals gemeinsam in der Bütt. Die Premiere kam beim Publikum so gut an, dass schnell klar war: Das war erst der Anfang!
Schon bald sprach sich auch über Sievershausen hinaus herum, dass an der Fuhse zwei äußerst unterhaltsame Büttenredner unterwegs sind. So folgten Nico und Jörg im Januar 2010 der Einladung des Komitees Hannoverscher Karneval und traten bei der großen Härke-Prunksitzung in der Schützengilde Peine auf. Dort nahmen sie mit viel Witz und einem schelmischen Grinsen die Peiner Honorationen ordentlich auf die Schippe. Nur kurze Zeit später sorgten sie auch bei der Handorfer Männerfastnacht für beste Stimmung.
Seit 2008 bringen die beiden Fuhsedeppen ihr Publikum zum Lachen – und das meist ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Denn bei ihnen gilt: Humor kennt keine Schonfrist.
Ob Bürgermeister, Elferratsmitglied oder die lieben Nachbarn aus dem Norddorf – im Laufe der Jahre hat fast jeder Sievershäuser auf humorvolle Weise sein Fett weggekriegt.
Und genau das macht die beiden aus: frech, spontan, ein bisschen deppisch – und einfach urkomisch. 🎭😄